Die Furcht davor allein gelassen zu werden oder zu sein ist, so glaube ich, eine der schlimmsten Ängste die sowohl ein Kind als auch ein erwachsener Mensch erfahren kann. Nur gehen beide damit völlig unterschiedlich um. 

Mein inneres Kind, die emotionale Seite, reagiert mit ungebremster Wut, Trauer und Hass aus dieser Angst heraus, wohingegen der Erwachsene, die rationale Seite in mir, eher mit lockerer Ignoranz reagiert. Ja, ich habe mich in meiner Kindheit allein gelassen gefühlt. Nie konnte ich die Anforderungen meiner Eltern erfüllen, ohne dass es nicht doch noch einen Grund zu mäkeln gab. Außer den rituellen Samstags- und Sonntags- Spaziergängen gab es im Grunde keine wirklich gemeinsamen Aktivitäten, von den Mahlzeiten mal abgesehen. Urlaub wurde fast immer ohne die Kinder gemacht, und meine Zeugnisse mussten mit denen meines Vaters konkurrieren, auch wenn der wohl irrigen Ansicht war, dass ein Zeugnis vom Gymnasium aus den 80’er Jahren nicht mit einem Realschulzeugnis aus den 50’er Jahren zu vergleichbar ist.

Im Nachhinein habe ich mir eine Partnerin gesucht, der mir genau dieses Gefühl des verlassen Seins und der Minderwertigkeit weiterhin vermittelt hat, so wie ich es in meinem Elternhaus erfahren und gelernt habe. Ich mag ihr dabei durchaus jetzt unrecht tun, und ich will auch nicht behaupten das es so gemeint war, jedoch war mein persönliches Empfinden so, auch wenn es sich nur um eine Projektion handelt. Sie ist nun mal eine sehr starke und durchaus dominante Persönlichkeit. (gewollt oder auch ungewollt, das kann ich nicht beurteilen) Sie ist einer dieser Menschen die allein durch die Art ihres Auftretens innerhalb jeder Gruppe stets die Führung zu-geschustert bekommen, die den Kampf um die Führung zwar nicht provozieren, aber eine Herausforderung auch nicht ablehnen, oder aus dem Weg gehen und bis zum bitteren Ende durchziehen. Neben einer solchen Person fiel es mir natürlich nicht schwer mich auch weiterhin minderwertig und verlassen zu fühlen.

Die in meinem Elternhaus erlernte Rolle konnte ich also auch weiterhin übernehmen. Auf meiner Suche nach Anerkennung und Bestätigung innerhalb dieser Beziehung, gab es nicht viele Punkte in denen ich vermeintlich hätte punkten konnte, aber im Bett mag ich wohl so schlecht nicht gewesen zu sein. Aber aus diesem vermeintlichen Leistungsdruck heraus war es nur eine Frage der Zeit bis man sich selbst überfordert fühlt und auch in diesem Punkt versagt und mit Impotenz reagiert. Die dann zwangsläufig kommenden Vorwürfe … Gedanken an eine andere Frau … der Vorwurf, das ich sie für unattraktiv halte, oder nicht mehr liebe … brachten genau die „gewünschten“ Gefühle der Minderwertigkeit und Abwendung.

Und nach der Trennung? Wie reagiert das Kind in mir?

Es heult, es schreit sich die Seele aus dem Leib … ist verbittert und aus seiner endlosen Verzweiflung heraus projiziert es all sein Hass und seine Wut auf die eine Person, die es verlassen hat. Der Erwachsene reagiert darauf völlig rational und will einen möglichst schnellen Abschluss dieses Lebensabschnittes koste es, was es wolle damit die Person, welche für die Verletzung des inneren Kindes verantwortlich gemacht wird möglichst schnell vergessen werden kann. Damit befinde ich mich in einer Zwickmühle. War es vorher noch möglich das Kind in mir in Schach zu halten ist dies für mich mittlerweile unmöglich geworden. Nun, nüchtern betrachtet habe ich versucht meine brav erlebte und erlernte Rolle des Versagers, des wertlosen Anhängsels zu spielen und kann noch nicht einmal sagen, dass ich mich dabei glücklich, oder unglücklich gefühlt habe. Es war mir wichtig den Anforderungen meines Partners zu entsprechen, weil ich mich selbst über seine Zufriedenheit mit mir definiert habe, weil ich nie eine wirklich eigene Persönlichkeit und eine eigenes Wertgefühl entwickelt habe oder entwickeln konnte.

Die Reflektion dieser nahezu 20 jährigen Beziehung bekommt nach und nach einen immer faderen Beigeschmack. Dinge, die bis jetzt eigentlich als positiv empfunden wurden werden nach und nach hinterfragt. War es eigentlich das, was du wolltest, oder hat nur es nur getan um ein wenig Anerkennung und Bestätigung zu bekommen?

Aber: Wer gibt mir jetzt das Gefühl der Minderwertigkeit? Wer verlässt mich jetzt?

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