Eine interessante These, wie ich finde, aber auch ziemlich einleuchtend, wobei die Frage wie ich Wachstum definiere nicht minder interessant ist.

Bei der Betrachtung vieler archaischer Kulturen, aber auch von heute noch isoliert lebenden Naturvölkern fällt auf, das es keine oder zumindest kaum „Standesunterschiede“ aufgrund von persönlichem materiellem Besitz gibt. Eher das Gegenteil ist hier der Fall, es ist sogar mitunter verpönt. Durch deren Betrachtung eines eng begrenzten Personenkreises und eines eng begrenzten Territoriums wird im materiellen „Mehr“ eines Einzelnen das materielle „Weniger“ eines Anderen gesehen. Ob man nun solch egalisierenden Strukturen mag oder nicht, sie scheinen sich durch Beobachtung und Erkenntnis manifestiert zu haben, und haben die Jahrtausende überdauert. Naturwissenschaftliche Erkenntnisse, hier der erste Hauptsatz der Thermodynamik, scheinen dies auch noch zu untermauern. Dieses geschlossenen System, welches sich in einem Gleichgewicht befindet wird auch nach Außen hin verteidigt, denn so geschieht es oftmals, das selbst Kontakte zu benachbarten Stämmen eher als eine Bedrohung angesehen werden. Die Frage stellt sich nun, ob für unsere Gesellschaft nicht die gleichen Grundsätze gelten? Es gibt lediglich den Unterschied, das der Einzelne den Gesamtüberblick über dies geschlossenen System verloren hat, oder auch aus eigenem Interesse auch gar nicht sehen will. Wir können heute, wo alle von Globalisierung reden nicht mehr nur unseren kleinen Raum betrachten sondern müssen schon den Globus als geschlossenes System ansehen, weil wir mittlerweile nicht mehr nur lokal, sondern global agieren. Im Grunde reagieren wir mit Grenzen, die wir gegen andere verteidigen nicht viel anders. Seien es persönliche oder auch Landesgrenzen. Diese dienen zum Schutz des Status.

Wenn sich eine Individualisierung in einer Gesellschaft erst einmal etabliert hat, und der Einzelne die Vorzüge kennen gelernt hat, sind Andere natürlich ebenfalls bestrebt sich zu profilieren. Der Konkurrenzkampf ist geboren. Damit bricht aber auch eine egalisierte Gesellschaftsstruktur auseinander, denn geschichtlich zeigt sich, das aus dieser Individualisierung ein Macht- oder Führungsanspruch abgeleitet wird, und der erworbene Status nun wichtiger ist, als die Gesellschaft in der man lebt. Die Einführung von Geld und anderen Zahlungsmitteln mag eine solche Entwicklung wohl gefördert haben, denn damit wird die Individualisierung oder auch das Wachstum erst messbar. Demnach würde aber das materielle Wachstum des Einen zu Lasten eines Anderen gehen. Ist dieser Anlalogschluss haltbar? Meines Erachtens schon.

Unsere Industrie macht es ja mit unserer tatkräftigen Unterstützung vor. Wenn ich Produktionsstätten in Billiglohnländer auslagere, welche vermutlich auch noch viel weniger Vorschriften und Beschränkungen haben, nutze ich die Zwangslage einer Gruppe zum Wohle einer anderen Gruppe aus. Von einem Gleichberechtigten Nebeneinander kann hier kaum mehr die Rede sein. Ein aktuelles Beispiel ist hier die Verwendung von Nahrungsmitteln um daraus Treibstoffe zu gewinnen. Für die Umwelt mag das im ersten Augenblick gut sein, aber aufgrund der ständig wachsenden Weltbevölkerung und der stetig schwindenden Landwirtschaftlichen Nutzfläche gerade in den Industrieländern war es nur eine Frage der Zeit bis die Nahrungsmittelpreise in die Höhe schnellen, worunter die Menschen zu leiden haben, die unseren preiswerten Kraftstoff anbauen. Die Erklärung unserer Kanzlerin, das die gestiegenen Preise auch daran liegen, das die Inder nun zwei anstelle nur einer Mahlzeit täglich zu sich nehmen entbehrt nicht einer gewissen Peinlichkeit. Es ließen sich vermutlich noch mannigfaltige Beispiele dafür finden, das wir unseren Wohlstand auf Kosten anderer erwerben, damit wir uns als Individuum präsentieren und profilieren können. Mit der Individualisierung der Gesellschaft sind wir allerdings noch nicht ganz fertig.

Es fehlt letztendlich nur noch die Abschaffung der Familie, weil sie nicht mehr zeitgemäß ist und lediglich dazu führt den einzelnen in seinem Individualitätsstreben zu behindern. Die wachsende Anzahl an Single-Haushalten … die immer älter werdenden Mütter … und die zurückgehenden Geburtenzahlen sind ein sicheres Indiz dafür. Letztendlich schaffe ich mir wieder mein geschlossenes System … meinen eigenen vier Wänden, die ich gegen äußere Einflüsse verteidige, und die Welt ist wieder in Ordnung.

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