Die Welt ist ein Dorf, so wird uns suggeriert, denn Entfernungen sind dank moderner Verkehrsmittel und Kommunikationsmöglichkeiten heutzutage kein unüberbrückbares Problem mehr. Innerhalb kürzester Zeit können wir an jedem beliebigen Ort der Welt sein.

Der Standort Deutschland ist in offensichtlich vielerlei Hinsicht, in diesem Dorf nicht mehr so konkurrenzfähig wie sich das mancher Manager wohl wünschen würde. Die Löhne sind zu hoch, der Absatz zu niedrig, das Unternehmertum zu reglementiert, die Steuerlast sowieso erdrückend und so weiter, und so weiter. Das nenne ich einmal Jammern auf allerhöchstem Niveau.

Also werden Produktionen hier stillgelegt und aus Kostengründen ins Ausland verlagert. So kann das Wachstum eines Unternehmens erhalten, oder sogar gesteigert werden, und die Anleger erhalten ihre erwartete Rendite für ihr eingesetztes Kapital.

Diese einfache Gleichung droht bei den immer weiter steigenden Energiekosten nicht mehr so ohne weiteres aufzugehen, denn dank steigender Frachtkosten werden die Produkte immer teurer, je weiter ihr Weg bis in unsere Ladenregale ist. Wie weit lassen sich wohl Produktionskosten reduzieren, um die gewünschten Gewinnspannen zu vergrößern oder aber zumindest zu halten?

Eine Verlängerung der Arbeitszeit (ohne Lohnausgleich, versteht sich)? Niedrigere Löhne ? Alles sind durchaus denkbare Szenarien. Outsourcing, noch so ein Schlagwort, bei dem uns gerne erklärt wird wie wichtig es ist sich auf seine Kernkompetenzen zu beschränken und den Rest einfach abzugeben. Dahinter steht letztendlich nichts anderes als ein Herauslösen von Mitarbeitern aus „zu teuren“ Tarifverträgen.

Aber durch die von Politik und Wirtschaft gepredigte „Lohnzurückhaltung“ steigen die Löhne und Gehälter ja schon lange nicht mehr in gleichem Umfang wie die Lebenshaltungskosten, gerade damit unser Land konkurrenzfähig bleibt und keine weiteren Job’s der Renditewünschen der Anleger geopfert werden müssen. Wie weit sind Arbeitnehmer und Kleinunternehmer bereit diesen Weg mit zugehen? Fangen wir erst an nachzudenken wenn es um das nackte Überleben geht? Sicherlich im Moment jedenfalls leben wir noch auf großem Fuße, wenn ich mir allerdings die öffentlichen Statistiken über Armut und vor allem Kinderarmut vor Augen halte, so ist doch ein deutlicher Trend zu erkennen, der in seiner Dynamik stetig zunimmt. Hierzu sollte man allerdings weiterhin anmerken, das der Kaufkraftverlust letztendlich nur dazu führt, das der Verbraucher gezwungen ist auf preiswertere Produkte auszuweichen, oder weitestgehend sich im Konsum einzuschränken. Beides ist nicht ziel-führend, denn so sinkt die Binnennachfrage gesamt, oder zumindest die der inländischen Produkte weiter wohingegen auf der anderen Seite die Absatzzahlen der Produkte aus Billiglohnländern steigt. Wenn jetzt aber die Nachfrage nach inländischen Produkten sinkt, so wird man auch diese Produktionen ins Ausland verlagern, um Kosten zu sparen und zu konsumfreudigen Preisen anbieten zu können. Das Resultat daraus sind weniger Arbeitsplätze und eine weiter sinkende Binnennachfrage … und so weiter. Es ist ein Teufelskreislauf.

Wer jetzt logisch denken kann wird darin eine Spirale sehen … und richtig. Wir sind auf dem besten Wege ein „Dritte Welt“ Land zu werden, wenn sich nach und nach die Binnennachfrage auf die Dinge des täglichen Überlebens reduziert. Irgendwann allerdings ist der Punkt erreicht, bei dem keine weiteren Kosten mehr zu senken sind und gleichzeitig die Kosten für die Logistik so weit in die Höhe schnellen, das es sich nicht mehr lohnt Güter um die halbe Welt bis zu den Konsumenten zu transportieren. Ist dieser Punkt erst einmal erreicht, so werden die Entfernungen wieder an Bedeutung gewinnen und das globale Dorf ist dann kein Dorf mehr, sondern wieder beeindruckend große Welt. Was die Dinge des alltäglichen Lebens angeht, so ist zu vermuten, das Ballungszentren in Zukunft eher einen Standortnachteil besitzen werden, und ländliche Umgebungen im Gegenzug einen Standortvorteil besitzen. Entwickeln wir uns wieder zu einer Agrargesellschaft? Sinniger wäre es vielleicht. Zumindest wird es wieder lokale, wirtschaftlich zusammenhängende Einheiten geben, weil es dann kostengünstiger ist dezentral in kleineren Einheiten zu produzieren, als in global organisierten Einheiten.

Es bleibt zu befürchten, das auch in diesen kleinen lokalen Einheiten in denen das Kapital dann kreisen würde immer noch global agierende Manager sitzen, die sich bemühen werden Kapital aus diesen kleinen Einheiten anzuziehen. Es dürfte dann  allerdings wesentlich einfacher und erfolgreicher sein sich gegen einen solchen Kapitalabzug zu wehren gerade weil eine Auslagerung der Produktion sich nicht mehr rechnen würde.

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