Für mich ist es immer wieder belustigend wie man durch eine einfache Wortwahl bei so manchem Menschen die Hirnaktivität schlagartig ein- und auf kategorische Abwehrhaltung umgestellt wird.

So sagt man einfach, das es schon seinen „tieferen Sinn“ hat, das ein Werkzeug nun so oder so aussieht, und schon bricht das ganze Unheil über einen herein und das trotz ausführlicher Erläuterung meiner Beobachtung. Ich musste mich dann aufklären lassen, das allein die Worte „tieferer Sinn“ ohne Rücksicht auf den darauf folgenden Text per se als neoesoterisch-metaphysicher Sermon abgetan werden, und ich als ernsthafter Gesprächspartner nur noch schwerlich bis gar nicht mehr akzeptiert werden würde.

Immerhin bekam ich den guten Tipp: Man verstehe ja gut, was ich damit sagen möchte, aber ich solle doch diese Worte nicht mehr zu verwenden, wenn ich weiterhin als Gesprächspartner ernst genommen werden möchte. Das war schon putzig zu sehen, mit welcher Furcht und Paranoia manche Menschen reagieren wenn sie auch nur einen Hauch Religiosität vermuten. Mitunter könnte man sie Stimmung als religionsfeindlich ansehen, weil dies das Ende der objektiven und emotionsfreien Betrachtung darstellt. Schuld daran ist nur die Wortkombination „tieferer Sinn“. Ok, nicht ohne Grund … oder nicht ohne triftigen Grund wären auch denkbare Wortkombinationen gewesen, um den Sachverhalt zu beschreiben.

Wobei ich ehrlicherweise bis Heute noch nicht verstanden habe warum diese Wortkombination immer zwingend in einem religiösen Kontext gesehen wird. Ich denke mir unsere Gesellschaft hat ein großes Akzeptanzproblem und ein noch ungesünderes Verhältnis zu Wissenschaft und Religion. Woher resultiert aber die Furcht vor allem, was auch nur den Hauch von Religiösität in sich trägt? Bei der Betrachtung historischer Gegebenheiten und Artefakten kann sich mir der Sinn nur vollständig erschließen, wenn ich auch in der Lage bin wie ein Mensch der damaligen Zeit zu denken. Ich postuliere einmal, das alle da ein klein wenig im trüben herum fischen, da man nicht davon ausgehen kann das sich unsere heutigen Denkstrukturen mit denen vor 2000 Jahren decken.

Die Probleme, die wir heute mit der Einordnung antiker Funde haben dürfen wir getrost als mannigfaltig ansehen. Wenn wir also fernab des Meeres ein Mosaik finden mit einer Abbildung Neptuns, so könnte das ein Ausdruck der Verehrung sein … ebenso aber auch purer modischer Trend … und eine weitere Alternative wäre auch ein gesellschaftlich-/politisches Kalkül. Was den Bauherren wirklich dazu bewegte werden wir nie erfahren, aber eine Möglichkeit kategorisch auszuschließen, nur weil sie einen religiösen Hintergrund hat ist ebenso fatal, als wenn man in alle Artefakte einen religiösen Hintergrund hineinlegen würde.

Die Wissenschaft ist unsere neue Religion geworden, damit habe ich aber nur den einen gegen den anderen Glauben ausgetauscht, was aber in letzter Konsequenz aber nicht bedeutet, das sich dadurch essentielle Bestandteile des Lebens ändern, so werden sie nur aus anderen Blickwinkeln betrachtet. Religion hat seit jeher immer Spuren in der gesellschafts-politischen Entwicklung der Menschen hinterlassen. Aber auch diese Geschichte lehrt uns, das die Erde nicht immer eine Scheibe ist, selbst wenn ein unfehlbarer Mensch strikt an diesem Dogma festhält, obwohl die Wissenschaft das Gegenteil beweist.

Sitzt diese Erinnerung wirklich so tief? Vielleicht ist es ja aber auch nur die späte Rache.

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