Im letzten Artikel dieser Serie habe ich das Postulat aufgestellt, das in allem ein Teil der Schöpfungsenergie steckt. Diese Bezeichnung zu verwenden hat mehrere Gründe. Zum eine lässt sich alles als Energie definieren und zum anderen dient der Begriff Schöpfung hier dazu das Unfassbare fassbar zu machen, ohne es zu personalisieren, oder ihm eine Form geben zu müssen.

Schöpfung ist hier als Aktion zu sehen bei der nicht nur etwas entstehen, sondern auch zerstört werden kann. Es ist der Akt des Schaffens.

Freud und auch Jung beschreiben in ihren Seelenmodellen jeweils drei Instanzen, die jedoch unterschiedlich gedeutet werden. Eine Kombination aus den Freud- und Jung-schen Paradigmen scheint mir hier eine gute Lösung anzubieten. Beide gehen von drei Instanzen aus, von denen die eine das „Über-ich“ von außen sozusagen und Zwänge auferlegt. Dazu gehören Normen und Wertvorstellungen, Ge- und Ver-bote der Gesellschaft in der wir leben. Das Es hingegen beschreibt unseren ureigenen Archetypen, das was Freud vereinfacht als Trieb und Jung als das kollektive Unbewusste bezeichnet. Das, was sich hier als vermeintlicher Widerspruch darstellt beschreibt letztendlich das gleiche, wie wir im späteren Verlauf noch sehen werden.

Zwischen diesen beiden Extremen sitzt also nun dieses Häufchen Mensch, das Ich, und muss diese Gegensätze mittels seiner Ratio unter einen Hut bringen. Hier bildet das das Bewusstsein und die Persönlichkeit des Menschen.

Beide sehen im „Es“ den Sitz der Seele, also jener Schöpfungsenergie die keinerlei Grenzen kennt. Diese wird allerdings begrenzt durch die körperliche Form, deren physikalischen Möglichkeiten und den äußeren Zwängen. Zweifelsohne ist dieser Kampf um die Vorherrschaft mit ein Grund für die Ausprägung psychischer Störungen.

Was mache ich hier also, und wie geht es weiter, was war vorher ? Das sind die essentiellen Fragen des Daseins schlechthin. Bevor wir aber den Fragen nach der Wiedergeburt und der Aufgabe nachgehen, sollten wir einmal kurz beleuchten, welche Optionen uns zur Verfügung stehen.

Die Äußeren Zwänge sind notwendig um in und mit einer Gesellschaft leben zu können. Dies ist kaum zu ändern, es sei denn man gründet eine eigenen Gesellschaft ohne jedwede Regeln. Damit dürfte ein Zusammenleben mit anderen nur äusserst schwierig sein. Aber hier und da gibt es immer Möglichkeiten sich zumindest teilweise aus dem starren Korsett zu befreien. Dazu bedarf es allerdings der Ratio und dem Blick diese Nischen zu finden. Andererseits ist unser Körper mit seinen Möglichkeiten die größte Beschränkung für unseren Archetypen. Mit der Erkenntnis des eigene Archetypen und seiner ureigenen Möglichkeiten fällt hier und da die Akzeptanz der körperlichen Grenzen schwierig. Nicht wenige haben bereits aus diesem Grunde den Freitod gewählt um sich diesem Zwang zu entziehen. Ich habe allerdings auch die Möglichkeit mit mit diesen Grenzen zu arrangieren und zu sehen wie weit diese Grenzen veränderbar sind. Allein schon die Extremsportarten sind nichts anderes, als ein Austesten dieser Grenzen und sie je nach eigenen Möglichkeiten ständig zu erweitern. Um die eigenen Grenzen zu erkennen und auch zu erweitern bedarf es allerdings einer guten Kenntnis des eigenen „Ichs“.

Was oftmals allerdings nicht gesehen wird, das unabhängig von einer Lebensaufgabe, auf die ich noch eingehen werde, dem Archätypen natürlich die Beschränkungen des Körpers unbekannt sind. Es ist sozusagen eine neue Erfahrung, ein Lernprozess für ihn. Es macht also weder eine Sinn die körperlichen und äußere Zwänge zu ignorieren, was zweifelsohne zu einer Selbstdestruktion führt, als auch den Archetypen komplett zu unterdrücken. Beide Extreme sind wohl bekannt. Mitunter kann man letzteres auch in den Augen eines Menschen erkennen, und man sieht förmlich, das dort niemand „zu Hause“ ist.

Hier scheint es mir wesentlich sinnvoller die körperlichen Grenzen zu akzeptieren, was aber nicht einen Verlust bedeutet, sondern die Chance, oder besser gesagt eine Basis , auf der man einen inneren Ausgleich herbeiführen kann. Jeder Teil kann vom anderen profitieren und lernen. In dem Masse der Akzeptanz wird es sich zwangsläufig ergeben, das sich die Grenzen des körperlichen Daseins sukzessive erweitern.
So bietet sich die einmalige Chance, das der Archetyp durch die Augen seines Menschen blicken kann, und der Mensch durch die Augen seines Archetypen.

Und wie eine altes Sprichwort schon sagt: „Vier Augen sehen mehr als zwei“.

Hier geht’s zum ersten Teil
Hier geht’s zum dritten Teil
Hier geht’s zum vierten Teil

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.