Verantwortung, welch ein schlimmes Wort. Nur zu gerne brüsten wir uns mit der uns selbst oder auch durch Dritte auferlegten Bürde oder auch Last. Wenn es aber um Konsequenzen geht, dann distanzieren wir uns auch sehr gerne von dieser.

Wie weit sind wir für unser Handeln denn eigentlich wirklich verantwortlich. nur für die Dinge die mittelbar, oder auch für de Dinge die unmittelbar durch unsere Handlungen geschehen? Es geht hier um die emotionale Verantwortung. Der Lauf der Zeit hat eine scheinbar chaotische Struktur deren Endergebnis im Vorfeld zu bestimmen nahezu aussichtslos erscheint. Die gesamten Konsequenzen meiner Handlungen bis in die letzte Kleinigkeit zu durchdenken und abzuschätzen ist müßig. Hier haben wir es mal wieder mit der Heisenberg’schen Unschärferelation zu tun, denn sind die ersten Folgeschritte noch klar umrissen, so erscheinen die weiteren immer nebulöser … letztendlich treffe ich eine Entscheidung immer aus einer Situation heraus, die eine Notwendigkeit zu einer Handlung beinhaltet. Ich handele also … daher habe ich auch die Konsequenzen meiner Handlungen zu tragen.

Der Spruch „Schwimmen lernt man nur, wenn man ins kalte Wasser springt“, mag unter Schwimmern wohl eine breite Zustimmung finden, weil sie die Furcht vor dem Element Wasser und den damit verbundenen Gefahren längst vergessen haben. Wie sieht das aber aus, wenn ich den gleichen Spruch zu einem Menschen sage, der nicht schwimmen kann? Er hat noch seine Ängste vor der Kälte, dem Ertrinken … oder sonstige durchaus auch persönliche und wichtige Hinderungsgründe. Inwieweit lässt er sich durch die Wortwahl, den Ton den sozialen oder emotionalen Bindungen dazu hinreißen meinem guten Rat zu folgen, und einfach ins kalte Wasser zu springen?

Ich, bin doch nicht Schuld an seinem Ertrinken, er ist ja schließlich selber gesprungen.
Falsch … ich mag im rechtlichen Sinne zwar nicht dafür belangt werden können, aber wenn ich den Handlungsablauf betrachte, so bin ich sehr wohl ein, wenn nicht sogar der Auslöser für seine Handlung gewesen. Im Grunde hätten ihn seine Ängste davon abgehalten ins Wasser zu springen, aber es war mein guter Rat als Schwimmer … als Kundiger, der ihm „geholfen“ hat seine Ängste zu überwinden. Ich als Schwimmer gehe allerdings mit einem ganz anderen Wissensvorsprung ins Wasser. Ich kenne die möglichen Gefahren durch kalte Temperaturen, die notwendigen Bewegungsabläufe und ähnliches. Er kennt sie allerdings nicht, er hat nicht einmal ein blasse Ahnung davon. Mir mögen sie als Selbstverständlich vorkommen, ich darf das allerdings nicht verallgemeinern und davon ausgehen, das diese Erkenntnisse sich mit dem Sprung ins kalte Wasser sich schlagartig dem angehenden Schwimmer offenbaren.

Ach, es hat schon seinen Grund, warum es Schwimmunterricht gibt. Das Ergebnis lässt mitunter auf sich warten und nicht jeder wird ein Superschwimmer, aber hier wird Wissen vermittelt und die Umsetzung findet nach den jeweiligen Fähigkeiten und Ambitionen statt.
Andererseits und so muss man ja eingestehen … die andere Methode hat natürlich auch seine Vorteile, denn es werden nur die aus dem Wasser steigen, die eine angeborene Affinität zum Wasser haben, und denen sich der Umgang damit intuitiv erschließt. Andererseits dürfte die Zahl der Schüler die ertrinken dabei auch um einiges höher sein.

So oder so kann sich der Schwimmlehrer nicht seiner Verantwortung gegenüber dem Einzelnen entziehen. Aber ihm gebührt die Anerkennung Naturtalente zu „produzieren“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.