Nach der Beschreibung der unterschiedlichen Lerntypen im ersten Teil machen wir uns nun einmal daran die Aufnahme von Lerninhalten näher zu betrachten. Als Haupt-Transportmittel für Wissen werden meist bildliche Darstellungen (wozu ich auch die Schrift zähle) als auch Sprache verwendet. Das handwerkliche Tun an sich ist meist begleitet von audio/visuellen Darstellungen.

Viele Lehrende jammern immer über den Verfall der Sprache. Sicherlich nimmt statistisch gesehen der Wortschatz, also das Grundgerüst einer differenzierten Sprache kontinuierlich ab, aber auf der anderen Seite wird sie auch ständig durch neue Wortschöpfungen ergänzt. Sprache verhält sich wie ein lebender Organismus, er lebt und entwickelt sich. Um also einen dauerhaften Lernerfolg zu sichern muss man einen Kompromiss finden der die Entwicklung der Sprache mit berücksichtigt.

Die Rollen Lehrender und Lernender verschwimmen, denn indem der Lehrende versucht sich in die Sprach- und Gedankenwelt des Lernenden hineinzuversetzen, so wird er selbst zum Lernenden. Auf der anderen Seite lernt der Lernende die Sprach und Gedankenwelt seines Lehrers kennen.
Der Abgleich von Wortbedeutungen ist hier ein nicht unwichtiges Thema. Dies führt aber letztendlich dazu, dass beide  dazulernen.

Hier kommt jetzt einer der wichtigsten Punkte:

Der Lerninhalt wird in den aktuellen Sprachgebrauch transformiert. Ich sage jetzt bewusst nicht angepasst, denn angepasst garantiert nicht die 100%ige Übernahme des Lerninhaltes.

Von vielen archaischen Kulturen ist bekannt, das sie ihr Wissen immer nur von Mund zu Ohr weitergegeben haben.
Es stellt sich die Frage, warum haben sie es so gemacht?
Weil es sich bei den zu übermittelnden Weisheiten um „Geheiminformationen“ handelte, zu denen nicht jeder x-beliebige einen Zugang haben sollte?
Oder warum sie noch nicht „zivilisiert“ genug, um eine eigene Schrift zu entwickeln?

Die erste Antwort ist eher etwas für diejenigen unter uns, welche Mysterien lieben, und die einen Hang zu Verschwörungstheorien und Geheimbünden haben.
Die Zweite Antwort eher etwas für Menschen, welche sich selbst für die Krönung der menschlichen Spezies halten.

Betrachten wir es doch einmal ganz nüchtern. Wenn ich Wissen weitergeben möchte, dann bediene ich mich Bildnissen. Dies mag in der Form von Buchstaben und Worten geschehen, aber auch in der Form von bildlichen Darstellungen, wie wir sie oft bei wissenschaftlichen Modellen finden. Oftmals wird auch versucht mit Wortbildern/Methaphern einen Bezug zu Bekanntem zu schaffen.
Bildliche Darstelllungen können häufig immer nur einen Teilaspekt einen Ganzen berücksichtigen, Wortbilder haben nur solange einen Bezug zu Bekanntem, wie sie noch bekannt, oder unverändert geblieben sind….

Egal also, ob es sich um Wort- oder bildliche Malerei handelt, die muss immer der jeweiligen Entwicklung und den Erkenntnissen angepasst werden.

Das geschriebene Wort steht so wie es ist. Zum Zeitpunkt seines Erscheinens mag es noch mit dem eigentlichen zu Erklärenden deckungsgleich sein, aber im Laufe der Zeit wird es sich verschieben und somit geht wichtiger Inhalt verloren. Man kann einfach nicht immer davon ausgehen, das es allgemeingültige und zeitlich völlig unabhängige Wortbedeutungen gibt.

Ich kann also nur sicherstellen, das ein zu lehrender Inhalt nicht nur gelernt, sondern auch verstanden wird, wenn ich eine direkte Reflektion bekomme, und somit feststellen kann ober der Lernende nicht einfach nur meine Worte nachplappert, sondern in der Lage ist sie in seiner Sprache wiederzugeben.

So geschieht eine ständige Anpassung eines zu lehrenden Inhaltes auf den aktuellen Sprachgebrauch. Nur so kann verhindert werden, dass Inhalte verloren gehen.

Diese Art zu lehren und zu lernen hat natürlich einen ganz entscheidenden Nachteil … sie kostet viel Zeit. Hier kommt es jetzt darauf an, was mir wichtiger ist: Kommt es auf die Menge an, oder auf den Inhalt.

Ich möchte jetzt nicht wieder schon auf Karl Marx zurückgreifen, aber der Mann hat nun mal die Entwicklung unserer westlichen Gesellschaft ziemlich genau erkannt und in seinen Werken wiedergegeben. Quantität statt Qualität …

Das ist in Bezug auf Wissen allerdings keine befriedigende Option.

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