Na, so langsam geht es wieder auf die Wintersonnenwende zu, und in unseren Breiten ist Weihnachten nun einmal als Fest der Familie etabliert, wird doch am 24. Dezember Christi Geburt gefeiert. Die Wintersonnenwende ist ein wesentlich älteres Fest, deren Anfänge sich im Nebel der Geschichte verlieren, und auch hier wird eine Geburt gefeiert.

Familie, das ist ein Begriff den wohl jeder etwas anders interpretiert, und der von jedem anders bewertet und gewichtet wird. Gerade in diesen Tagen mache ich mir so meine Gedanken zu diesem Thema. Es geht natürlich auch wieder mal darum eigene Erlebnisse aufzubereiten und neu zu sortieren. Dies mag auch daran liegen, dass meine eigene Familie auseinandergebrochen ist, und da jetzt endlich der Termin für die Scheidung feststeht kann ich jetzt beruhigt dem Ende entgegenblicken. Es ist also bereits Licht am Ende des Tunnels, was auch wiederum in diese Jahreszeit passt.  Ich hatte ja schon einmal berichtet, dass ich mich im Dunstkreis eines druidischen Ordens aufgehalten habe, in dem sehr viel über Seelen, Seelenverwandtschaften, Verwandtschaften und Familie geredet wurde. Mich aber als Teil der Familie anzusehen, wäre mir nie in den Sinn gekommen, obgleich ich häufiger das Gefühl hatte, dass so manches Gespräch nicht zum ersten Mal geführt wurde.

Hier und da gab es diese Deja Vue Effekte, und es viel nicht wirklich schwer sich dort „zu Hause“ zu fühlen. Ich will es aber auch nicht verschweigen, das man sich doch schon recht gebauchpinselt gefühlt hat, was eine objektive Beurteilung natürlich nicht gerade einfacher macht. Das große Aber kommt jetzt, denn gerade was den Punkt mit der Familienangehörigkeit angeht, so bin ich doch arg mit dem Merlynn des Ordens aneinandergeraten. Zum einen ist es nicht meine Lebensaufgabe eine Familie zusammenzuführen, auf der anderen Seite bin ich aus dem Status des pubertierenden Jugendlichen wohl nie ganz herausgewachsen. Das bedeutet nichts anderes, als das ich mich gegen bestehende Autoritätsstrukturen auflehne und die Welt sowieso viel besser verstehe, als die Eltern oder ältere Geschwister. Im schlimmsten Fall kann es dazu kommen, das man selbst, obwohl man weiß dass man zur Familie gehört, seine Familienzugehörigkeit einfach abstreitet. Auch in Bezug auf meine leiblichen Eltern hab ich mir hier und da doch mal gewünscht sie wären nicht meine Eltern gewesen. Eine Sichtweise, die ich dem Merlynn nicht verständlich erklären konnte und die letztendlich für viel Missstimmung gesorgt hat.

„Dubio ergo sum“. Ich zweifle, also bin ich. Eine Familie ist aber auch die kleinste Einheit in einer Gesellschaft. Was mich schon immer gestört hat ist die Tatsache, dass Eltern von ihren Kindern immer eine Gegenleistung erwarten. Sprüche wie: „Wir haben dich schließlich großgezogen …“ und „Was du uns an Geld gekostet hast …“ kenne ich zu Genüge und resultieren in dem knappen Spruch „Ich habe nicht darum gebeten geboren zu werden“.

Worin liegt aber das eigentliche Problem in dieser „Austauschbeziehung“?

Ein bedenkenswerter Umstand ist sicherlich, dass eine Leistung mit der Erwartung einer Gegenleistung erbracht wird, ohne dass sich das Kind dagegen wehren könnte. Hier werden frühzeitig Abhängigkeitsbeziehungen geschaffen, die mitunter nicht immer gesund sind. Meine Gedanken zum Thema Ausgleich habe ich bereits in ein einer eigenen Reihe schon einmal beschrieben. Die Interaktion von Familie und Gesellschaft ist da wieder ein anderes Thema. Nun, aber auch Kinder werden erwachsen und müssen ihre eigenen Wege gehen, und in den seltensten Fällen treten sie in die Fußstapfen ihrer Eltern. So tut es gut seine „Eltern“ zu verlassen, seine eigene Familie zu gründen, obwohl es ja eigentlich viel einfacher wäre seine Füße unter dem Tisch der Eltern zu belassen und dafür ab und an mal zustimmend mit dem Kopf zu nicken, und seine Dankbarkeit oft und blumig zum Ausdruck zu bringen.

Will ich das aber?

Nein, ich will loslaufen, auch auf die Gefahr hin einmal hinzufallen und sich blutige Schrammen zu holen. Ich will wieder aufstehen und weiterlaufen, denn die Welt ist groß und bunt. Die Weisheit des Narren ist auch ein ganz anderes spannendes Thema.

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