Nachdem es im ersten Teil um Normen und Kollektive ging, haben wir im zweiten Teil anhand von Beispielen gesehen wie sich aus unterschiedlichen Bezugspunkten, Blickwinkeln und Kollektiven heraus die Be-wertung ein und des selben Ereignisses unterscheiden kann.

„Wahrheit liegt im Auge des Betrachters …“

Das Ergebnis der Betrachtung eines Ereignisses hat also nicht zwangsläufig eine Allgemeingültigkeit, sondern steht in direktem Verhältnis zum Bezugspunkt. Es ist nicht die Entscheidungsfindung an sich, sondern das „Kollektiv“ mit seinen kognitiven, emotionalen und instinktiven miteinander interagierenden Mechanismen, welche ursächlich für die Be-wertung der Situation verantwortlich ist.

Die Entscheidungsfindung spielt sich immer nach dem gleichen Schema ab.

Ereignis -> Erfassung -> Aktion

Schon bei der Erfassung eines Ereignisses treffe ich meine erste Entscheidung:
Wie weit bin „ICH“ von diesem Ereignis betroffen?
Abhängig von dieser Entscheidung wird das Kollektiv „Persönlichkeit“ mit seinen kognitiven, emotionalen und instinktiven Bestandteilen das Ereignis erneut erfassen, aber unter dem Gesichtspunkt der eigenen Betroffenheit. Abhängig vom Grade der Betroffenheit erfolgt die Gewichtung der Einzelbestandteile des Kollektivs „Persönlichkeit“.
Ein Spruch wie:

„Du siehst nur das, was du auch sehen willst!“

resultiert genau aus dieser Gewichtung heraus. Damit filtere ich quasi das Ereignis, und mit dem Grad der Betroffenheit verringert sich auch der Blickwinkel. Man fokussiert sich quasi auf dieses Einzelereignis, und daher kann es passieren, dass einem die entsprechenden Begleitumstände oder auch Konsequenzen aus der daraus resultierenden Handlung verborgen bleiben. Von Objektivität kann bei einer Entscheidung aus einer persönlichen Betroffenheit heraus somit keine Rede mehr sein.

Eine Be-wertung nach Gut und Böse ist also abhängig von den zugrunde gelegten Normen und dem Standpunkt des Betrachtenden innerhalb des Ereignisses.

Damit wäre geklärt, das es keine allgemeingültige Bewertung geben kann, sondern komplexen Mechanismen unterliegt die zu unterschiedlichen Ergebnissen bei der Betrachtung eines Ereignisses führen kann.

Wie sieht es aus, wenn ich eine Vielzahl von Ereignissen nehme und sie betrachte?
Ich fange an abzuwägen und sie miteinander in Relation zu setzen. Ich erinnere mich an das Ereignis,  be-werte es ggf. neu und setzte es in Bezug zu einem anderen Ereignis. Das Ergebnis ist eine Skala von Gut bis Böse mit entsprechend vielen Abstufungen.

Wenn ich eine Handlungskette einmal mit dem Wurzelwerk eines Baumes vergleiche, so betrachte ich, immer den gleichen Baum. Somit gibt es, den entsprechenden Betrachtungswinkel vorausgesetzt, keine Einzelereignisse die ich miteinander in Relation setzen könnte, sondern nur ein einziger Ereignisfluss. Durch meinen begrenzten Blickwinkel bleibt mir allerdings die Sicht auf das Ganze verwehrt und daher nehme nur einzelne Wurzelabschnitte wahr, die augenscheinlich nichts miteinander zu tun haben.

Mit fortschreitender Zeit steigt die Anzahl der erfassten Einzelereignisse, welche zueinander in Relation gesetzt werden, ich polarisiere und erhalte somit die gesamte Bandbreite zwischen + (Gut) und – (Böse).

Fazit:

Eine allgemeingültige Be-wertung (unabhängig von Zeit und Kollektiv) eines Ereignisses ist nicht möglich.

Es existiert keine klare Trennung zwischen beiden Zuständen, da durch die Betrachtung der Einzelereignisse tendenzierende Be-wertungen zugrunde gelegt werden, welche bestimmen in welche Richtung und mit welcher Intensität/Stärke ein Ereignis aus der ursprünglichen neutralen Mittelstellung gezogen werden. Mit Zunahme der betrachteten Ereignisse erweitert sich auch die „Werteskala“ zwischen beiden Zuständen.

Der Zustand eines betrachtenden Ereignisses ist variabel, weil es in Relation zu anderen Ereignissen steht.

Hier geht’s zum ersten Teil.
Hier geht’s zum zweiten Teil.
Hier geht’s zum vierten Teil.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.