Ohhh, wer jetzt Argumentationen für und wider  den Kapitalismus oder Sozialismus erwartet, den muss ich jetzt leider enttäuschen. Es geht hier um die Frage, was hat Arbeit mit Gesellschaft zu tun?
Ist das Verhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber ein Vergesellschaftungsprozess?

Diese Frage kann man nur eindeutig mit JA beantworten.

Gesellschaft ist frei nach einer Definition von Max Weber die Stillstellung von Streit, wobei die Möglichkeit eines Streites immer virulent im Hintergrund präsent ist. Auf den Punkt gebracht bedeutet es, das sich Menschen im Modus der Notwendigkeit einer Kooperation zusammenschliessen.
Kooperation bedingt aber Gemeinsamkeiten auf der sie beruhen können. Einzig die Tatsache, das es sich bei meinem Arbeitgeber um einen Menschen handelt, der auch zwei Augen, eine Nase und einen Mund hat reicht bei weitem nicht aus.

Es ist der Gewinn. Da ist auch der Arbeitnehmer völlig egoistisch, denn es ist sein bestreben seine Arbeitskraft (körperlich oder auch geistig) möglichst gewinnbringend einzusetzen. Ebenso wie der Arbeitgeber, der zwar die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen kann, aber es fehlt ihm an Arbeitskraft. Der Überfluss des Einen und der Mangel des Anderen bedingen sich gegenseitig und umgekehrt. Dieser Umstand führt zu einer Einsicht in die Notwendigkeit Kooperation.

Eine Gesellschaft kann das Induviduum immer nur partiell erfassen, was ihm auch bewusst ist.  Je mehr Gemeinsamkeiten es gibt, desto höher ist auch die Integration, desto stabiler ist die Gesellschaft.

Zurückkommend auf die Definition von gesellschaft bedeutet das aber auch, das wenn die Gegenseitigkeit sich zugunsten des einen oder anderen verlagert sich die Gefahr der Möglichkeit eines  Streites erhöht. Ein Arbeitskampf ist so ein Umstand mit dem der Arbeitgeber folglich mit der Aussperrung reagiert. Was letztendlich aber beide wieder an den Tisch bringen kann ist die Einsicht in die Notwendigkeit mit ihm, oder auch gegen ihn wieder eine Form der Kooperation zu finden. Beide verlieren gleichermassen, denn der Verlust des einen ist auch der Verlust des anderen, wenn man bedenkt, unter welchen Vorraussetuungen es überhaupt zu einer Kooperation gekommen ist.

Meine Betrachtungen zielen in der Regel mehr auf soziologische und wirtschaftliche Aspekte hinaus, was allerdings nichts mit „sozial“ im umgangssprachlichen Sinne zu tun hat. Ein Unternehmen betrachte ich als „Gesellschaft“, in der sich Individuen im Modus der Notwendigkeit einer Kooperation zusammenschließen. (vgl. Max Weber)

Kooperation als Bedingung eines sich selbst-referenzierenden Systems/Gesellschaft, welches durch Interaktion und Reflektion (kommunikatives Handeln) auf Fortschritt (in technischer und wirtschaftlicher Hinsicht) und einer Steigerung der partiellen Integration des Individuums mit seinen kognitiven und emotionalen Fähigkeiten abzielt (Konsens), ist und sehe ich persönlich als einen möglichen Weg. (vgl. Talcott Parsons)

Daher ist es nicht als Kritik im umgangssprachlichen, sondern im ursprünglichen Sinne, wie auch Kant ihn verwendete, zu verstehen. Es geht letztendlich um die Bedingungen für die erfolgreiche Vergesellschaftung von Individuen in einer abstrakten und allgemeingültigen Weise, deren methodische Ausgestaltung und Umsetzung dann die Aufgabe anderer Fachbereiche ist.

Das Ziel wirtschaftlichen Handelns (und dabei ist es völlig egal, ob wir AG oder AN betrachten) ist die Rendite. In der Rendite, sehe ich im globalen Kampf der wirtschaftenden „Gesellschaften“ den Maßstab, an dem sich die Variablen zu orientieren haben.
Als Variablen kommen hier Faktoren wie z.B. Einsatzstoffe, Energiekosten, Personal, Lohn- Lohn-Nebenkosten, Steuern, Produktivität, aber auch Innovationskraft und noch viele andere in Betracht.

Als Teil dieser Gesellschaft ergreife ich selbstredend die Möglichkeit diese Variablen zu „meinen“ Gunsten zu verändern. Somit ist kommunikatives Handeln nicht unbedingt ein altruistisches Handeln (vgl. Georg Simmel), sondern der Versuch einer Beeinflussung der Variablen zu meinen Gunsten und der des gesellschaftlichen Umfeldes, in dem ich mich bewege und von dem ich selbst ein Teil bin. (vgl. Jürgen Habermas)

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