Nachdem heute nun der Verfassungsschutzbericht 2008 veröffentlicht wurde, welcher einem Anstieg rechtsradikaler Gewalttaten von 16% für das Jahr 2008 verzeichnete, stellt sich mir unabhängig von berechtigter oder auch unberechtigter Kritik gegenüber diesem Zahlenwerk die Frage, was eigentlich die Ursachen für die zunehmende Bereitschaft für die Ausübung von Gewalt in unserer Gesellschaft sind.

Gewalttaten, und hier meine ich insbesondere politisch, oder religiös motivierte, lassen sich leider sehr gut instrumentalisieren, wenn es darum geht in einem „Superwahljahr“ wie diesem Ängste zu schüren und/oder sich selbst als „Retter“ zu profilieren. Schlimmstenfalls werden jene, welche nicht diese Gewaltbereitschaft besitzen als Opfer propagiert und abhängig von der eigenen Einbildungskraft kann sich dieses, von außen projizierte „Selbstbild“, auch noch manifestieren.

Ebenso fragwürdig ist ein blinder Aktionismus, ohne ein ursächliches Verständnis für die Zusammenhänge an sich entwickelt zu haben. Es mag beruhigen, die eigene Ratlosigkeit kaschieren, und erzeugt das ruhige Gewissen „alles in seiner Macht stehende“ getan zu haben, jedoch löst es in den seltensten Fällen das eigentliche Problem.

Mein Schatz sagt in diesem Zusammenhang immer: „Bevor du die Dinge veränderst, begreife erst einmal, warum sie so sind, wie sie sind.“

In der Gesellschaft lässt sich rein subjektiv betrachtet eine generelle Zunahme der Bereitschaft zur Ausübung von Gewalt durch das Individuum aus unterschiedlichsten Motivationen feststellen.  Streit und Gewalt waren jedoch schon immer Bestandteile von Individuen und der Gesellschaft. So definierte Gabriel de Tarde Gesellschaft als Stillstellung von Streit, und das die Möglichkeit eines Streits quasi virulent immer im Hintergrund mitlaufen muss, damit dieses Gebilde „Gesellschaft“ dauerhaft zusammenhält. Emile Durkheim sah Kooperation als das Mittel diesen Streit zugunsten friedlicher Mittel aufzuschieben. Es gibt noch viele andere soziologische Theorien, Gewalt und Macht spielen aber häufig eine nicht unwesentliche Rolle dabei.

Das Spektrum beobachtbarer Gewalt reicht unter anderem vom Amok laufendem Schüler, über risikofreudige Banker, über Fußballfans bis hin zu politisch, oder religiös motivierten Gewalttaten in all seinen schillerndsten Facetten und möglichen Erscheinungsformen. Wir sehen also, das Gewalt immer um uns herum ist, sie wird aber nicht immer als gleich „schlimm“ empfunden. Um eine ursächlichen Erklärungsansatz zu zu finden müssen wir zunächst von unseren eigenen Wertungen Abstand nehmen und dieses beobachtbare Artefakt in der Gesellschaft objektiv betrachten.

Gewalt als eine Form gesellschaftlichen Handelns zu verstehen ist zwar keine leichte Aufgabe, aber letzten Endes ist die Ausübung von Gewalt, wenn man sie einmal wertneutral betrachtet, lediglich eine Form der Kommunikation, welche dazu dient ein kommunikatives Problem zu lösen. Diese Kommunikationsmethode ist nicht nur durch objektive, sondern auch durch subjektive Wahrnehmungen motiviert. Sicherlich gäbe es hier andere Möglichkeiten um dieses kommunikative Problem zu lösen, aber genau um diese Fragen geht es ja:

Warum wird, subjektiv gesehen, in zunehmendem Masse gerade diese Form der Kommunikation gewählt?

Welches Problem des Individuums löst die Ausübung von Gewalt?

Ich sage hier bewusst subjektiv, weil wir zwar immer häufiger Bilder von Gewalttaten in den Medien zu sehen bekommen, ich mir aber nie sicher sein kann, ob derartige Berichte nicht populistisch und manipulativ sind.
Auch Behörden und Institutionen veröffentlichen ihre Berichte, hier ist aber ebenso fraglich wie exakt die Daten erfasst wurden und wie sie für diese Statistik ausgewertet und „bewertet“ wurden.

Hier geht’s zum zweiten Teil.

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