Deutschland, das Land der Dichter und Denker, so hieß es einst, aber wenn wir die aktuellen Diskussionen über Bologna und Pisa verfolgen, so wird eigentlich nur klar, das man ratlos vor der Demontage dieses Bildes steht. Fakt ist allerdings, das bereits seit den 70’er Jahren Defizite in unserem Bildungssystem ausgemacht wurden, aber es nicht geschafft wurde die gesellschaftliche Lernumgebung den geänderten sozialen und gesellschaftlichen Veränderungen anzupassen.

Nein, das ist kein Abgesang auf unser Bildungssystem, denn dazu gibt es auch überhaupt keinen Grund. Weder im europäischen, noch im internationalen Vergleich müssen wir uns verstecken, auch wenn viele es anders sehen mögen.

Aber das Gejammer ist, wie immer in Deutschland, mal wieder riesengroß.  Bologna und die Neuordnung der universitären Studiengänge, Pisa und seine europaweite  Lernstanderhebung mit den unschmeichelhaften Ergebnissen für unsere Schüler.

Anstelle aber jetzt alles schlecht zu reden macht es vielleicht wesentlich mehr Sinn sich zu überlegen, welche Chancen sich aus Bologna und Pisa ergeben, die Schwachstellen im System zu erkennen und sich mutig daran begeben alte Zöpfe abzuschneiden und seinem Bildungssystem eine neue und den aktuellen gesellschaftlichen Gegebenheiten angepasstes Aussehen zu verpassen.
Nein, es geht auch nicht darum Leistungsanforderungen herunter zuschrauben, nur um höhere Abschlussquoten zu erreichen, Aber es geht um die Möglichkeiten des Lernens und deren „Stellenwert“ innerhalb unserer Gesellschaft.

Die aktuelle Diskussion das Bildung ein Luxusgut ist, welches nur sozial privilegierten in seiner Gänze zur Verfügung steht, ist wahrlich keine neue Erkenntnis. Genau diese Erkenntnis und die dazugehörigen Diskussionen gab es bereits in den 70’er Jahren. Es ist also ein alter Hut. Das dieser alte Kaffee nach den Ergebnissen von Pisa nun wieder neu aufgeblüht und politisch instrumentalisiert wird, sollte uns nicht von der Tatsache ablenken, das es 30 Jahre versäumt wurde dieser Entwicklung entgegen zu steuern. Diesen Vorwurf müssen sich alle politischen Kräfte in unserem Land gefallen lassen, denn außer einigen gut gemeinten Änderungen und Experimenten stehen wir noch auf dem gleichen Stand wie zu den Zeiten, in denen ich zur Schule gegangen bin.

Beginnen wir doch einmal mit der Betrachtung unserer Grund- und Weiterführenden- Schulen.

Hier muss ich einmal eine Lanze für die Pädagogen brechen. Durch die Zunahme von alleinerziehenden Müttern und Vätern welche zusätzlich noch ihren Lebensunterhalt selbstständig bestreiten müssen, von Doppelverdienern welche ein zusätzliches Einkommen benötigen um einen adäquaten Lebenswandel zu führen und Familien die durch anderweitige Zwänge nicht in der Lage sind ihre Kinder optimal auf das „Schul- und Lern-leben“ vorzubereiten wird es für die Pädagogen immer schwieriger ihren vorgeschriebenen Lernstoff innerhalb der vorgegebenen Zeit dieser inhomogen Gruppe „Schüler“ beizubringen. Hier muss man klipp und klar sagen, das der Ausgleich von Sozialisations- und Sprach-defiziten von den Lehrern zusätzlich nicht zu leisten ist. Hier sind andere Lösungen notwendig, die in eine der Gesellschaft angepassten Familienpolitik berücksichtigt werden müssen. Das soll aber hier nicht Gegenstand der Diskussion sein.

Was bringt aber die Diskussion ob nun das Abitur nach 12, oder 13 Jahren gemacht wird, ob man 2 oder 3 Arten der weiterführenden Schulen beibehält oder ob man doch Ganztagsschulen einführen sollte? Nichts, denn sie beheben nicht die strukturellen Schwächen des gesamten Systems.

Ein Manko, welches ich sehe sind Defizite in der horizontalen Durchlässigkeit des Systems. Der persönlichen Entwicklung eines Jungen Menschen muss in einem optimalen Bildungssystem Rechnung getragen werden. Die Wahl der weiterführenden Schule darf hier nicht zur Sackgasse werden, oder dazu führen das zu lange auf einen Wechsel gewartet werden muss, und damit der Lernstand nur mit großen Mühen aufzuholen ist.

Ob hier die Gesamtschule das Mittel der Wahl ist, wäre zu prüfen, vor allem vor dem Hintergrund der Kosten. Gerade für kleine und mittlere Städte könnte sich ein derartiges System als wirtschaftlich vorteilhaft erweisen, gegenüber Einzelschulen.

Ein Qualitätsmanagement muss die Leistungen der Schulen sicherstellen und vor allem vergleichbar machen. Bei den Gymnasien ist dies mit der Einführung des Zentralabiturs bereits geschehen. Ein derartiges Verfahren muss aber durchgängig installiert werden, damit es nicht dazu kommt, das ein Arbeitgeber die Deutschnote des Bewerbers von der Schule A anders bewertet, als die Deutschnote von Schule B eines anderen Bewerbers. Solche Abstufungen kenne ich noch aus meiner eigenen Lehrzeit. Das sind Dinge, die es in einem modernen Schulsystem nicht geben darf.

– Leistung muss vergleichbar und gleichwertig sein.
– Das Lehrangebot muss die Fähigkeiten optimal fördern.

In der letzten Zeit wird die Ganztagsschule immer wieder ins Gespräch gebracht. In einigen europäischen Ländern ist sie bereits üblich, aber auch dabei sollte nicht vergessen werden, das es die Aufgabe der Lehrer ist zu lehren. Das Ausgleichen von sprachlichen-, oder Sozialisations-Defiziten darf hier nicht zu deren Lasten gehen.  Das ist die Aufgabe gesonderter Sprachkurse oder einer sozialpädagogischen oder psychologischen Betreuung.

Hier wird es dann interdisziplinär, denn hier greifen Familien- / Sozial-politik und Bildungspolitik nahtlos ineinander.

Wozu soll das Ganze eigentlich dienen?
Es soll dazu dienen jungen Menschen optimale Voraussetzungen für ihren weiteren Lebensweg mit auf den Weg zu geben. Vor allem aber ungeachtet dessen, ob sie noch studieren wollen, oder  eine Lehre beginnen oder direkt eine Tätigkeit aufnehmen.

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