Nachdem ich mich im ersten Teil ein wenig der schulischen Grundausbildung gewidmet habe, geht es nun im zweiten Teil der universitären Lehre an den Kragen. Begriffe wie „akademische Elite“ bereiten mir Unbehagen, und wenn ich mir das Gezeter um die Bologna Beschlüsse anschaue. Hier wird der Verlust des elitären bejammert, aber die eigentlich dahinter stehenden Chancen verkannt.

Nun, ich bin selber „Freizeit-„Student im Bachelor Studiengang Soziologie, die abschätzende Bewertung dieses Studienganges kann ich jedoch nicht nachvollziehen, ebenso wie das elitäre Gehabe mancher Akademiker. Es mag wohl daran liegen, das ich in meiner 20 jährigen Erwerbstätigkeit einen rohen Pragmatismus entwickelt habe, welcher aus der Tatsache heraus entstand das ich schon lange nicht mehr in meinem eigentlichen erlernten Beruf arbeite und im Nachhinein betrachtet eigentlich für meinen derzeitigen Job 3 Ausbildungen nötig wären, wenn ein anderer meine Stelle ad hoc neu besetzen müsste. Nicht nur die Gesellschaft befindet sich im Wandel, sondern auch unsere Arbeitswelt in gleichem Masse. Die Zeiten in denen ich einen Beruf erlernt habe und bis zum Ruhestand auf einem Arbeitsplatz verbringen konnte sind ebenso vorbei, wie die Zeit in denen eine Lebensgemeinschaft andauert, bis der Tod sie scheidet.

„Lebenslanges Lernen“ wird von der Wirtschaft propagiert, ein durchaus heres Ziel welches auch große soziale Chancen bietet, aber die Realität und das „Machbare“ sieht doch leider etwas anders aus.

Dem Wandel der Gesellschaft und der Wirtschaft wurde bei der Entwicklung der universitären Lehre kaum Rechnung getragen. Vielmehr betrachtet sie sich als „Hüter des Grals“ der Wissenschaft, Forschung und Lehre.

Nicht ganz, einen bedenklichen Auswuchs gibt es, den man unter dem Ausspruch „Wissenschaft unter dem Diktat der Nützlichkeit“ zusammenfassen kann.

Betrachten wir hingegen die duale Berufsausbildung so haben wir hier ein „Modell-System“ welches immer wieder an die geänderte Umgebung des jeweiligen Berufsfeldes angepasst wurde. Das es auch hier Schwachstellen gibt, will ich gar nicht bestreiten, aber Ziel einer Berufsausbildung ist es in diesen drei Jahren ein fachliches Grundwissen und das nötwendige handwerkliche Basiswissen zu vermitteln. Die Spezialisierung und Verfeinerung der Kenntnisse und Fähigkeiten erfolgt dann im weiteren Berufsleben. Jeder frische „Geselle“ verfügt aber um klar definierte Kenntnisse und Fähigkeiten.

Warum fällt es so schwer dieses erprobte und anerkannte System auf die universitäre Lehre umzudenken? Ich sehe den Bachelor Studiengang ebenso wie eine klassische Berufsausbildung. In ihm wird das grundlegende Handwerkszeug wissenschaftlichen Arbeitens und Basiskenntnisse im jeweiligen Fachbereich vermittelt. Diese Grundausbildung muss, damit sie auch international vergleichbar ist, gewissen Standards folgen und über ein funktionierendes Qualitätsmanagement verfügen.

Gerade hier sehe ich die Chance eine universitäre Ausbildung einer wesentlich breiteren Masse zukommen zu lassen, als es bislang der Fall ist.

Eine entsprechende Weiterqualifizierung ist durch den Masterstudiengang und auch durch eine anschließende Promotion gegeben, in denen eine akademische Elite ihren Kristallisationspunkt finden kann.

Hier ist aber dann die Kreativität der Herren Professoren gefragt, mit entsprechenden Seminaren und Projekten den Studenten zusätzliche Qualifikationen zu vermitteln.
Gerade in den technischen und naturwissenschaftlichen Bereichen dürfte es nicht schwer fallen Kooperationen mit Wirtschaftsunternehmen zu gründen, um Studenten eine „Spielwiese“ zu bieten zielorientiert zu forschen und gleichzeitig schon mal in das reale Arbeitsleben hineinzuschnuppern.

Dies öffnet allerdings 2 Gefahren Tür und Tor. Zum einen die bereits angesprochene „Wissenschaft unter dem Diktat der Nützlichkeit“ und zum anderen die Gefahr, das bestimmte Bereiche wie gerade die Kultur- und Sozial-Wissenschaften zu den Verlierern gehören werden.

Wissenschaft muss generell frei von einem  Zwang der Nützlichkeit sein.

Die Idee: „Deutschland als ein Land voller Akademiker“ gefällt mir, zumal die Idee gar nicht so weit hergeholt ist, wenn die Bologna Beschlüsse sinnvoll umgesetzt werden, ein kooperatives Finanzierungsmodell zur Verfügung steht, und die veralteten Bildungsstrukturen an die modernen Gegebenheiten angepasst werden. Der elitäre Anspruch der Universitäten bliebe erhalten, weil wir hier lediglich von einer akademischen Grundausbildung reden, allerdings erfordert dies ein Mindestmaß an Flexibilität und Engagement der entsprechenden Fachbereiche.

Hier geht’s zum ersten Teil.
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Hier geht’s zum vierten Teil.
Hier geht’s zum fünften Teil.

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