Ein völlig diffuser Begriff unter dem sich konkret niemand so wirklich etwas vorstellen kann. Allein der Begriff Kultur stiftet ohnehin schon Verwirrung genug. Wichtig klingt er allemal und er wird auch von Politikern gerne benutzt. Was verstehe also ich unter dem Begriff „Kulturraum“?

Prof. Jürgen Habermas hat einmal den Begriff des „public space“ geprägt, und das trifft die Sache eigentlich schon ganz gut. Es ist also ein Raum in dem ich mich als Individuum in der Öffentlichkeit bewege und in dem ich mit anderen Menschen interagiere. Dieser öffentliche Raum ist demnach auch einem ständigen Wandel unterworfen, weil Menschen in ihm interagieren, sich neue Strukturen herausbilden, und alte auch zerfallen können. Ich als Individuum möchte in diesem Raum Spuren hinterlassen. Es ist ein Grundbedürfnis des Menschen und ein Teil seiner Selbstverwirklichung.  

Es ist der Raum in dem ich aber auch freiwillig Aufgaben übernehme, oder Aufgaben von denen ich vielleicht auch nur die Notwendigkeit einsehe, dass sie übernommen werden müssen und mich somit in die „Gesellschaft“ integriere. Ein  Kulturraum ist jedoch gleichzeitig auch ein Wirtschaftsraum, wobei diese Vermischung eine gewisse Gefahr in sich birgt.

Es ist schon recht amüsant, aber für T.W. Adorno gab es drei Höllen: Den Faschismus, den Stalinismus und die Kulturindustrie. Der Grund liegt schlicht darin, dass die industrielle Verwertung des Bestrebens des Menschen nach Individualität zu einer Uniformierung durch den Konsum führt, welcher letztlich genau das Gegenteil bewirkt.

Diese Uniformierung dient zwar der Demonstration einer Gruppenzugehörigkeit, aber eben nicht als „Alleinstellungsmerkmal“ des Individuums. Einen weiteren Punkt finden wir bei Max Weber, der zugespitzt  „wirtschaften als Möglichkeit friedlich Gewalt auszuüben“ beschrieb, also der Herausbildung von Macht- und Herrschafts-Strukturen, die natürlich auch der Selbstverwirklichung des Individuums gegenübersteht.

Ein idealer Kulturraum wäre demnach ein nicht auf  Profit ausgerichteter Wirtschaftsraum, der mehr der Entwicklung und der Möglichkeit der Teilhabe des Individuums dient. Dieser Raum kann nur vom Aus-Tausch der Individuen untereinander leben und sich entwickeln, also im Grunde genommen die Urform des  „Vergesellschaftens“ schlechthin  durch Arbeitsteilung und gegenseitiger Teilhabe. Durch die Stillstellung von Streit, wie es de Tarde locker formuliert, also der Aufgabe des Konkurrenzkampfes um das eigene Überleben zugunsten der Arbeitsteilung, welche wesentlich effizienter ist und wodurch auch erst Freiräume (Freizeit) für das Individuum entstehen wird die Entwicklung von Kultur überhaupt erst möglich.

Dabei wird dieser Konkurrenzkampf jedoch nicht völlig ausgelöscht, sondern der „Streit“ ist immer noch virulent vorhanden, was letztlich die Triebfeder ist sich ständig weiter zu entwickeln und sich nicht mit dem Status Quo zufrieden zu geben. Ein offener Ausbruch des Streites zerstört diese Gesellschaft wieder, oder bedingt zumindest deren Spaltung und führt zur Herausbildung von Macht- und Herrschafts-Strukturen, also einem Oben und Unten innerhalb einer Gesellschaft. Eine Voraussetzung für einen idealen, auf die „Communis“, also der Allgemeinheit ausgerichteten Kulturraumes wäre demnach die gegenseitige Anerkennung von Werten und ein Lösen von einer monetären, persönlich gewinnorientierten Sichtweise.

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