In ländlichen Gebieten ist es ja gelegentlich schlecht um die Breitbandversorgung bestellt. Daher sind ja auch spezielle Förderprogramme aufgelegt worden, um diese weißen Flecken von der Landkarte zu tilgen. Dem Ortsteil Maibach kommt hier wohl noch eine Sonderstellung zu, da er zwar ein Ortsteil der Stadt Butzbach ist, aber seitens der Telekom ist er an Usingen angeschlossen.

Auslöser für eine wahre Odyssee durch die moderne Technik und dem Servicedschungel der Internetanbieter und ihren Kooperationspartnern war unser Umzug innerhalb Maibachs. Dass man seinen Schmalspur-DSL-Anschluss nur zum vollen Breitband-Preis von der Telekom beziehen kann, nimmt man gerne in Kauf, um überhaupt einen funktionstüchtigen und bezahlbaren Internetzugang zu erhalten. Wer – nebenbei – diese Praxis für eine Ausnahme in ländlichen Räumen hält, dem sei jedoch gesagt, dass es eine gängige Praxis der Telekom ist. Selbst in einer Stadt wie Essen ist eine flächendeckende Versorgung nicht gewährleistet.

Wie dem auch sei, der Telefonanschluss wurde in der Woche nach unserem Umzug umgestellt, und auch die „DSL verfügbar“-Lampe leuchtete wieder munter an unserem Router. Wir mussten also nur noch auf die Freischaltung des Internetzugangs warten. Zu unserer Ernüchterung teilte man uns zunächst mit, dass ein Techniker erst messen müsste, wir benachrichtigt würden, danach, dass kein „Port“ mehr frei sei, und eine weitere Anfrage ergab eine zu große Entfernung zur nächsten Vermittlungsstelle und darüber noch schriftliche Nachricht erfolgen würde, auf die wir bis heute warten
OK, ein Umzug von 200m Luftlinie kann also für einen DSL-Anschluss von entscheidender Bedeutung sein, aber es gibt immerhin noch andere technische Möglichkeiten zur Teilhabe am schnellen Internet.

Zunächst bot sich Kontakt zu den vor Ort versorgenden privaten Anbietern für DSL via Richtfunk an. Beide jedoch mussten resignieren, weil ihnen und uns der wunderschöne alte und direkt in Richtfunkstrecke wachsende Baumbestand unseres Dorfs einen Strich durch die Rechnung und ein Störsignal in die Funkleitung machte.

Ergo kümmerten wir uns um das Angebot, dass uns die Telekom (nach zweieinhalb Wochen, und schriftliche Bestätigung der Nichtanschlussfähigkeit ist noch immer nicht eingetroffen) mittlerweile an uns gerichtet hatte: für zusätzliche €39,95 (zu den noch immer anfallenden monatlichen €29,95 für einen simplen Telefonanschluss) DSL via Satellit.
„Mit DSL 2000 auch da surfen, wo ein herkömmlicher DSL-Anschluss nicht möglich ist“ … so das vollmundige Angebot der Telekom. DSL über Satellit, das war die perfekte Lösung. Für unsere Blogs, Emails und das bisschen Surfen sollte die Volumenbegrenzung kein Problem darstellen, wobei wir eine etwas andere Auffassung von eine Flatrate haben. Aber da könnten wir immerhin zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, da die vorhandene Satellitenschüssel sowieso rostig ist, und der LNB schon mit einer Plastiktüte vor Nässe geschützt werden muss.

Beim Angebot der Telekom ist wirklich an alles gedacht, von der Hardware bis zur Inbetriebnahme, es suggeriert ein rundum sorgloses Vergnügen.
Enthusiastisch wurde also (mittlerweile Woche 4 ohne Internet) das Paket bestellt, denn zum einen gibt es die Hardware inklusive Satellitenschüssel gegenwärtig für 0 Euro – und dank des Telekom-Kooperationspartners CityCom erhält man zudem noch ein preiswertes Paket, damit Internet und TV gleichzeitig über eine Satellitenschüssel betrieben werden können. Also hinein in den online Shop – und man befindet sich plötzlich nicht mehr bei CityCom, sondern bei der Firma Satelco.

Einem kurzen Moment der Irritation folgte die Erkenntnis, dass diese Namen alle zu einer einzigen Firma gehören. Das entsprechende Paket ausgewählt und siehe da, der Versand war nur über die deutsche Post und per Nachnahme möglich. So schrieb ich halt eine kurze Mail an den Support, weil das Kontaktformular auf der Website nicht funktionierte und wirklich, einen Tag später bekam ich auch eine Antwort: Der Versand geschehe über UPS und nicht über die Deutsche Post und außer Nachnahme sei keine andere Zahlungsart möglich. Ich solle aber die Bestellhotline (eine kostenpflichtige) anrufen und meine Anliegen dort vortragen.

Ein Postversand wäre ja noch in Ordnung gewesen, denke ich mir noch, weil man das doch recht umfangreiche Paket ganz bequem in Butzbach hätte abholen können, aber UPS? Ein Anruf sollte das jetzt alles klären und zu einem guten Ende bringen, so meine naive Vorstellung, aber weit gefehlt. Es sei halt unser Pech, das wir zur arbeitenden Bevölkerung gehören und wir müssten es dann mit UPS klären wann und wo das Paket zu liefern, oder abzuholen sei. Zur Auswahl stünden ja schließlich Frankfurt, Bad Homburg, Friedberg …
Was die Bezahlung jedoch angehe, so sei es die Entscheidung der Geschäftsführung und die nehme er so hin und würde jetzt auch nicht noch extra nachfragen.

Leicht konsterniert mussten wir es so akzeptieren wie es war. Nachdem ich dann mehrfach Namen und unsere Adresse buchstabieren musste, so dass letztlich das Gespräch knappe 20 Minuten dauerte (auf unsere Kosten versteht sich) war es dann vollbracht. Was nimmt man nicht alles hin, wenn man schon eine Satellitenschüssel für 0 Euro bekommt. Dann bezahlt man auch für eine Bestellung. Und fährt notfalls 50km extra mit dem Auto.
Also Zugang bestellt, Hardware kommt gratis und das Zubehör ist auch auf dem Weg. Das Ding muss also nur noch auf dem Dach montiert und ausgerichtet werden und fertig ist der schnelle Internetzugang. Dachten wir.

Über ihren Kooperationspartner Cervis bietet die Telekom da auch gleich mehrere Installationspakete an, die keine Wünsche offen lassen. Also sparen wir uns doch das Herumturnen auf dem Dach und fördern lieber das Handwerk und die deutsche Wirtschaft mit der Beauftragung der Installation.
Die Telekom verweist auf ihrer Seite und dem Tipp zur Buchung der Installationspakete mit Festpreis wieder auf eine kostenpflichtige Hotline, bei der man die entsprechenden Installationspakete bestellen kann. Als Clou bekommt man bis zum 30.11.2010 sogar noch 10% Rabatt von der Telekom auf das bestellte Paket.

Zu dumm nur, wenn der Kooperationspartner gar nichts von seiner Kooperation mit der Telekom weiß, geschweige denn von den Installationspaketen, welche die Telekom von ihrem „dann wohl doch nicht Kooperationspartner“ anbietet. „Wir können nichts dafür, wenn die Telekom das auf ihrer Seite so schreibt, aber für den angegebenen Preis bekommen sie bei uns keinesfalls die Schüssel aufs Dach, ab 3m Höhe brauchen wir da sowieso einen zweiten Techniker, schon wegen des Arbeitsschutzes, und der kostet. Klären Sie das mit der Telekom…“.

Recht unfreundlich, aber bestimmt hat man uns so wieder zurückverwiesen. Also erneut bei der Telekom angerufen, aber die nette Dame weiß auch nicht mehr als das, was auf der Website der Telekom geschrieben steht und verweist auf die zuvor schon gewählte kostenpflichtige Rufnummer ihres Kooperationspartners Cervis. Als ihr dann erklärt wurde, das uns eben dieser Kooperationspartner wieder an die Telekom zurückverwiesen hat und Werbung mit Preisen und Leistungen, die man selbst weder anbietet noch sicherstellen kann, ziemlich dreist wäre, war das Gespräch mitten im Satz abrupt beendet und die Leitung plötzlich tot.

Zusammengefasst sind uns jetzt nach vier Wochen und nicht mehr mitgezählten Telefonaten – davon ein nicht unbeträchtlicher Teil zu kostenpflichtigen 01805er Nummern – durchaus zu Buche schlagende Mehrkosten entstanden, wir haben einen frisch abgeschlossenen Vertrag über einen analogen Telefonanschluss, den wir zwar bis dato nie wollten, der aber wiederum mit einer Telekom-üblichen Mindestvertragslaufzeit aufwartet, ebenso die Bestellung eines Internetzugangs, der uns nicht nur satte €39,95 im Monat zusätzlich – und das wiederum für festgenagelte 2 Jahre – kostet, sondern noch darauf wartet, überhaupt technisch installiert zu werden – notfalls eben von uns „Amateuren“.
Man führe sich mal folgende Szene vor Augen: ich gehe mit einer akuten Grippe zum Arzt, der weist mich jedoch ab, weil er keine Zeit und keine Medikamente für mich hat. Als Ersatz gibt er mir eine Tüte Hustenbonbons, mit der Bemerkung, dass die allerdings doppelt so teuer seien wie seine Behandlungskosten – zu zahlen am Tresen beim Empfang…

Über die Geschäftspraktiken der Telekom kann man sicherlich trefflich streiten, über die Verfahren und die Art und Weise, wie beim vollmundig versprochenen Breitbandausbau der ländlichen Gebiete in Hessen Prioritäten gesetzt werden, nicht.
Heutzutage strukturschwachen Gegenden aus rein wirtschaftlichen Erwägungen den Zugang zu zeitgemäßer Kommunikation und damit zu Chancen deutlicher kommerzieller Aufwertung zu versagen kündet in unseren Augen höchstens noch von einer Haltung der Resignation seitens des Kreises und der Kommune.
Vielleicht würde es auch helfen, den Blick über die Kreisgrenzen zu werfen und mal bei den Kollegen vom Rheingau-Taunus-Kreis anzufragen, mit welcher Konsequenz und Nachhaltigkeit dort der Breitbandausbau betrieben wird.

Nun ja, nach vier Wochen sind wir jetzt zumindest fit, was die modernen Kommunikationstechniken angeht, aber einen Internetzugang haben wir immer noch nicht.

Aber wir sind ja noch jung, wir können warten 😉

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