Eigentlich handelte sich dieser Text um eine Antwort auf eine Rundmail um die hitzige Debatte um die Namensgebung einiger Straßen in Butzbach. Durch einen wie auch immer gearteten Umstand ist diese Mail als Leserbrief in der Butzbacher Zeitung gelandet. Daher hier noch einmal der überarbeitete Text: … viel Spaß beim Lesen 🙂

Liebe „geschichtsbegeisterte“ Freunde und Andere In Anbetracht der diffizilen Haushaltssituation der Stadt Butzbach käme hier noch Vespasian (römischer Kaiser von 69 bis 79 n. Chr.) in Betracht … Dieser quasi als Inspiration für unseren eigenen „Senat“ … (Für die geschichtlich weniger Bewanderten sei hier angemerkt, das der Spruch „pecunia non olet“ => „Geld stinkt nicht“ von ihm überliefert ist … als Rechtfertigung gegenüber seinem Sohn Titus für die eingeführte Latrinensteuer.)

Aber einmal allen Sarkasmus beiseite … Warum müssen es ausgerechnet „römische Kaiser“ sein? Welchem Zweck soll es dienen? Wenn es lediglich dazu dient einem Anwesen eine zustellbare Adresse zu verleihen, dann könnte man beliebige Namen verwenden; oder den römischer Süßspeisen. Generell empfinde ich die Verwendung von „Herrschernamen“ als recht fragwürdig, selbst wenn es einem ebenso bedenklichen „Zeitgeist“ entsprechen sollte. Seneca sei hier als Philosoph und Staatsmann einmal ausgenommen. Mit Marcus Aurelius, Plinius, Tacitus, Cato u.a. stehen zudem genügend Personen zur Verfügung, die auch intellektuell Anspruchsvolles geleistet haben. Daran sollte man sich eher orientieren als an Despoten. Da wirft sich mir aber generell die Frage auf, was denn mit einem solchen historischen Erbe anzufangen sei, zumal mir noch der Satz eines führendes „Senatsmitglied“ lebhaft in Erinnerung ist, in dem von „denkmalbelasteten“ Flächen in Butzbach die Rede war.

Dieser lapidaren Äußerung kann man nur mit einem Zitat von George Santayana begegnen: „Those who cannot remember the past are condemned to repeat it“. Das noch zu dem Thema mit den römischen Despoten. Bei allem Verständnis für den Traum großer gewerblicher Ansiedlungen, die der Stadt und ihren Einwohnern wieder zu Wohlstand verhelfen sollen, erscheint es mir sinnvoller zu sein, auch einmal einen Blick auf vorhandene lokale Ressourcen, (auch ein reichhaltiges historisches und kulturelles Erbe) und die Möglichkeiten ihrer wirtschaftlichen Verwertung, zu werfen. Zudem ist die Vernichtung von Flächen für Unternehmungen mit fragwürdigen wirtschaftlichen Auswirkungen für die Region nur eine Erblast für die folgenden Generationen. Unser allseits geliebter Landrat Arnold hat zum Auftakt des Kommunalwahlkampfes zu diesem Thema recht klare Worte gefunden, die leider jedoch wenig Gehör gefunden haben. Die Initiative „ArchäologieLandschaft Wetterau“ war bedauerlicherweise auch nicht mehr als ein Aufruf ohne jegliche inhaltliche Substanz.

Angebote für touristische Aktionen – wie z.B. geführte Wanderungen und Trekking Touren im historischen Kontext wurden „höflich“ ignoriert und abgelehnt. (Nein, ich habe diese Angebote nicht gemacht, aber da ich im Reenactmentbereich leider kein Unbekannter bin, werde ich nun einmal angesprochen, wenn es um Butzbach oder die Wetterau geht.) Geschichte will nun einmal erlebt werden, und das bedeutet nicht nur eine stumpfe Auflistung von „toten Attraktionen“, sondern sie muss „be-greifbar“ gemacht werden – und in dieser „Mission“ bin ich schon viele Jahre unterwegs. Die Gemeinde Pohlheim hat damit gute Erfahrungen gemacht und einer „sterbenden“ Veranstaltung (Limeswanderung am 03.10) neues Leben eingehaucht. Manchmal lohnt es sich halt auch über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen … um sowohl aus den Fehlern wie auch den Erfolgen anderer zu lernen.

Um jetzt einmal den Zirkelschluss zu vorhandenen lokaler Ressourcen in Bezug auf Nachhaltigkeit und Verantwortung für den eigenen Wirtschaftsraum zu schließen, hier noch zwei Links für Interessierte: „Das Erste: Die Klima-Diät“ (https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/sendung/2012/die-klima-diaet-100.html) und „Die Freiburger CO2 Diät“. Meiner unbedeutenden Meinung nach wäre Butzbach prädestiniert für ein solches Projekt, welches sich auch durchaus noch weiter-denken und mit bereits Bestehenden kombinieren ließe.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.