Wenn man in einem Gespräch anderer Ansicht als sein Gesprächspartner ist, und daraufhin Antworten bekommt wie: „Dafür kann ich nichts“, „Das ist dein Problem“, „Damit habe ich nichts zu tun“ und „Das ist dein Film“, dann wird schnell klar, dass ein Kooperation und die Findung eines gemeinsamen Konsens gar nicht gewollt ist.

Hier steht die bewusste Abgrenzung zu einem „Gegenüber“ als ein „Gegner“ im Vordergrund. Ein gemeinsamer Konsens kann in einer solchen Konstellation jedoch nur noch entstehen, wenn ein „Gegenüber“ seine Position aufgibt und sich von seinem „Gegenüber“ unterwerfen lässt.

 „Individualität“ und „Freiheit“ und damit die letztlich so viel zitierte „Selbstverwirklichung“ stellen sich heute teilweise als einen unreflektierten Hedonismus dar, der keine Rücksicht mehr auf den anderen nimmt, nehmen will und nehmen darf.

So eine Gesellschaft kann weder friedlich noch sinnstiftend funktionieren. Diese ist ausgelegt auf Krieg und Unterwerfung. Dies gilt sowohl im Kleinen wie z.B. Beziehungen oder Familien, als auch im Großen wie z.B. Staatsgebilden. Soziale Gruppen leben und erhalten ihre Stabilität aber von gemeinsamen Ideen, gemeinsamen Regeln und dementsprechend kann „Freiheit“ nur im Sinne einer konsensorientierten, also geordneten Freiheit existieren. Das bedeutet, das jegliches Denken und Handeln des Einzelnen muss daraufhin ausgerichtet sein, dass jedem Menschen die gleichen Möglichkeiten der Persönlichkeitsentfaltung ermöglicht werden, wie ihm selbst auch. Dies führt sehr schnell auf die Erkenntnis der „Würde des Menschen“, die unantastbar ist. Dies ist Recht und Pflicht zugleich.

Folglich müssen wir und entscheiden, ob wir zu einer Gesellschaft nebeneinander her lebender Selbstverwirklicher werden, ein Trend, der ohne Frage zu beobachten ist, oder nicht. Soziale Gruppen werden daher immer prekärer und der öffentliche Raum mutiert von einem Raum der Verhandlung gemeinsamer Ideen, Interessen und Regeln, zu einem reinen Verkehrsraum um schnell von einer sozialen Gruppe zu einer anderen zu gelangen. Peter Sloterdijk bezeichnete es einmal treffend als Blase, wobei in diesem Ausdruck wunderbar die in sozialen Gruppen inhärente Fragilität und Vergänglichkeit deutlich wird, da ihnen eine stabilisierende Basis fehlt.

Ist aber aufgrund der Verfasstheit unserer Gesellschaft ein Humanismus im klassischen Sinne überhaupt noch denkbar?

Die These von Karl Marx: „Zuerst muss der Mensch essen und trinken, bevor er über den Sinn des Lebens nachdenken kann“ hat nichts von seiner Gültigkeit verloren.

Die Befriedung des Kampfes ums Dasein … um mal einen Kampfbegriff von Herbert Marcuse … kann, nein muss somit als basaler Bestandteil auf dem Weg in einen „neuen“ Humanismus betrachtet werden.

Manche mögen nun einwerfen wollen, dass die Absicherung der materiellen Existenz nicht wichtig sei, was ich für fatal halte, weil hierdurch die Bedrohung der Existenz als „Druckmittel“, als Mittel der Ausübung von (friedlicher) Gewalt (vgl. Max Weber) existent bleibt.

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