Die neue Medienkultur spiegelt in besonderem Maße die aktuellen Trends der Auflösung des sozialen und dem Verschwinden jeglicher Distanz wieder.

Diese Radikalisierung führt daher mehr und mehr dazu, dass ein gegenüber abgelehnt wird, weil wir gelernt haben stets die nicht vereinenden Eigenschaften einer Person (vgl. Georg Simmel) als Begründung für deren Ablehnung zu verwenden. Diese Radikalisierung ist die Kompromisslosigkeit in Verhältnissen in der Zeit zu einem Mangel geworden ist.

Authentizität die so häufig gefordert wird, wirkt für die Vergesellschaftung daher eher als Gift, und so haben wir gelernt uns eine 2. oder sogar 3. Persönlichkeit zuzulegen, um anderen zu gefallen – um den Anforderungen anderer zu entsprechen. Diese Aussage wird sicherlich von vielen nun vehement abgelehnt und als falsch bezeichnet werden, aber auch die Unterlassung, das Verschweigen von Eigenschaften zeichnet von mir ein anderes, mehr gefälligeres Bild von meiner eigenen Person.

Diese manipulierte Authentizität ist daher heute die Aufführung einer Person auf der Bühne der Öffentlichkeit um Anerkennung zu erfahren.

Meine „negativen“ Eigenschaften gehören jedoch ebenso zu meiner Person, wie auch die „positiven“. Was aber nun „positive“ oder „negative“ Eigenschaften sein mögen liegt in der Betrachtung und Bewertung „Dritter“.

Vielleicht liegt es an der fehlenden Ressource „Zeit“, am Leistungs-/Effizienz-Denken, das es heute nicht mehr zu der konstruktiven Auseinandersetzung mit einem Dritten kommt, womit auch immer die Gefahr verbunden ist „negative“ Elemente einer Person so lange zu ignorieren, weil die Auseinandersetzung mit dem gegenüber „Zeit“ kostet. Die Steigerung hier wäre die „Konstruktion“ des Gegenübers unter Ignoranz nicht „passender“ Eigenschaften.

Somit laufen gerade Beziehungen immer Gefahr, dass dieses „konstruierte Bild des Gegenübers eines Tages zusammenbricht, was letztlich in einer persönlichen Katastrophe endet.

Soziale Gruppen beziehen jedoch ihre Stärke aus der Kombination der Fähigkeiten einzelner, und die Auseinandersetzung mit Dritten trägt maßgeblich zur sozio-kulturellen Entwicklung der Gruppe bei.

Erkennbar ist aber auch eine Paradox unter dem manch ein Mensch leidet, weil er keinen realistischen und sicheren Ausweg aus diesem neuen Hedonismus sieht. Mit begegnen immer wieder Menschen, die tief in ihrem inneren diese Sehnsucht nach Ruhe und Frieden haben. Man träumt von Gesellschaften die den Wert des Individuums nicht an seiner materiellen Leistungsfähigkeit orientiert. Man träumt von einer Gesellschaft in der das Defizit des Einen nicht als Waffe benutzt wird, sondern eine Einsicht in gegenseitige Abhängigkeiten existiert, weil eben jedes Individuum mit völlig unterschiedlichen kognitiven und intellektuellen Fähigkeiten ausgestattet ist, die in ihrer Summe ein befriedetes Leben für jeden Einzelnen ermöglichen.

Der Traum: Ein selbstbestimmtes Leben, eine freie Entfaltung der Persönlichkeit, eine Selbstverwirklichung die sich nicht in einen blinden Hedonismus verliert, sondern selbstreflektiert ist.

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