Lokales wirtschaften und Globalisierung müssen kein Widerspruch sein.

Zu diesem Thema habe ich bereits heftige Diskussionen geführt, weil oftmals bei den Befürwortern der Globalisierung neben der Globalisierung nur der Autarkismus zu existieren scheint. Es scheint mehr und mehr zu einem Kampf um Ideologien zu gehen, es geht um Sieg oder Niederlage.

Wenn man wirtschaften … einmal neu durchdenkt und den mündigen Menschen voraussetzt, kommt man immer zu einer Infragestellung der aktuellen Verhältnisse.

Was ich hier so lapidar als mündigen Menschen vorausgesetzt habe, setzt auf die Notwendigkeit einer neuen Aufklärung, die den Menschen von einem Objekt wieder zu einem Subjekt werden lässt. Ein breites Thema, auf das ich hier nicht weiter eingehen möchte.

Wenn man also ein verantwortungsvolles Handeln eines mündigen Menschen voraussetzt wird er erkennen, dass es ökonomisch und ökologisch mehr Sinn macht ein lokal produziertes Produkt einem vergleichbaren Produkt aus anderen Regionen vorzuziehen.

Eine Preisdiskussion ist obsolet, denn diese wird der aufgeklärte Mensch nicht führen, denn eine Vielzahl an Produkten ist unter menschenunwürdigen Verhältnissen produziert worden. Das Argument unterschiedlicher Lebensverhältnisse greift auch nicht mehr, denn die Befriedung des Kampfes ums Dasein gilt nicht allein für mich, sondern für alle Menschen. Daher müssen sogar Produkte, die unter menschenunwürdigen Verhältnissen produziert werden, abgelehnt werden.

Ökologisch macht es nun wirklich keinen Sinn z.B. Gemüse zu kaufen, welches einen Transportweg von mehreren tausend km hinter sich hat, wenn das gleiche Gemüse in der Region verfügbar ist. Sicherlich, es ist bequem in einen Supermarkt zu gehen und einfach, ohne nachzudenken den Einkaufswagen zu füllen, anstelle sich um Bezugsquellen lokaler Produkte kundig zu machen und diese abzuklappern. Dies ist eines der Probleme.

Ein anderes Problem entsteht durch die Unfähigkeit / Unwilligkeit der Menschen zur Vergesellschaftung, also zur Stillstellung von Streit (vgl. Gabriel de Tarde), denn das Wissen um lokal erhältliche Produkte wird in kleinen Zirkeln weiter gegeben und dies meist auch nur auf Anfrage. Die sozialen Medien bereiten hier einen fruchtbaren Boden, denn hier entstehen kleine elitäre Zirkel mit gehortetem Wissen in denen eigene Regeln gelten (vgl. Heinrich Popitz). Auf die Mechanik gruppendynamischer Prozesse brauche ich hier nicht weiter einzugehen, zum anderen fördert dieses Verhalten auch nicht den lokalen Wirtschaftsraum.

Denken wir das Problem doch einmal von einer anderen Seite her, denn gerade die Möglichkeiten der modernen Kommunikationsmittel bieten alles, was man benötigt um sich neu zu vergesellschaften. Das Zauberwort heißt hier Kooperation. Dies kann von einer gemeinsamen Plattform bis hin zu einem gemeinsamen Verkaufsraum gehen. Hier denke ich nicht nur an Nahrungsmittel, sondern ebenso an Dienstleistungen, Sachgüter sowie Kunst- und Kultur-Güter.

Den Zirkelschluss zur Globalisierung liegt in einem gestärkten lokalen Wirtschaftsraum, der entfernt produzierte Güter auch als Luxusgüter begreift und deren Wert erkennt und respektiert. Somit können aktiv menschenunwürdige Produktionsverhältnisse ausgetrocknet werden, weil der Konsum sehr reflexiv wird. Die Anerkennung von Werten ist in hedonistisch geprägten feudalen Strukturen eh ein immenses Problem, weil auch hier nicht erkannt wird, dass meine eigene Missachtung von Werten dazu führt, dass mein eigener Wert missachtet wird. Dies ist das eigentliche Problem.

Es geht um das Augenmaß, um ein reflexives und verantwortungsbewusstes Handeln

… und einen Menschen der sein Schicksal in der Realität auch real bestimmen kann, und das bedeutet eine Gestaltung, eine Einrichtung der Realität so, das in ihr mündige Menschen leben können …

um es einmal mit den Worten von Theodor W. Adorno zu sagen.

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