Nach dem Vorbild von Langgöns überlegen sich auch Butzbacher Politiker schon seit längerer Zeit das Angebot für „Senioren“ um eine sogenannte „Seniorenwerkstatt“ zu erweitern. Das ist ja eine grandiose Idee, denke ich mir so als leidenschaftlicher Bastler. Doch Moment einmal: Ich bin als Mensch der Generation 50+ doch noch gar kein Senior, oder etwa doch!?

Der anfänglichen Euphorie folgt daher eine gewisse Ernüchterung. Ich werde ausgegrenzt, und ich frage mich, wohin diese Exklusion und Desintegration am Ende noch führen wird? 

Inklusion und Integration sind die Schlagworte der heutigen Zeit, und die Diskussion wird mit zunehmender Schärfe geführt. Im Gegensatz dazu hat aber der Begriff „Seniorenwerkstatt“ schon eine breite politische und gesellschaftliche Akzeptanz gefunden. Sie werden sogar ausdrücklich begrüßt. Das ist einfach verrückt.

Als Mensch der Generation 50+ fühle ich mich von Gesellschaft und Politik diskriminiert und ausgegrenzt – so denke ich mir leicht amüsiert, denn ich gehöre irgendwie weder zu den Senioren, noch zu den Jungen. Eine Debatte in den (sozialen) Medien scheint mir hier dringend notwendig zu sein. #zerodiscrimination #unteilbar

Es steht zwar außer Frage, das Menschen unterschiedlichen Alters auch unterschiedliche Bedürfnisse und Interessen haben, aber die gemeinsame Leidenschaft für das Basteln und Handwerken vereint doch all diese unterschiedlichen Gruppen. Gemeinsamkeiten zu erkennen und Unterschiede zu respektieren sind doch die Grundpfeiler gesellschaftlichen Zusammenhalts. 

Auch in Deutschland gibt es mittlerweile eine recht aktive „Makerszene„, die sich in  sogenannten „Fablabs“,  Makerspaces oder „Repair-Cafés“ zusammenfindet. 
Die nächsten Repair-Cafés gibt es in Kelkheim, Frankfurt, Neu-Isenburg und Hanau. Wie der Name schon sagt, geht es hier um das Motto: „reparieren statt wegwerfen“.
Für Makerspaces müsste man schon in Richtung Frankfurt, Wiesbaden oder Fulda fahre fahren. Solche offenen Kreativräume sind zu meinem Bedauern noch im Aufbau.

Wäre es nicht wesentlich  sinnvoller, wenn sich die Politik vermehrt über das Inklusions- und Integrations-Potential solcher Konzepte Gedanken machen würde? Das Zauberwort heiß nämlich: „Diversität“.

Jetzt einmal ganz unter uns:

Ich habe das Meiste selber von älteren und erfahrenen Bastlern und Handwerkern gelernt. Im Laufe der Jahre ist somit auch eine ansehnliche Werkstatt zusammengekommen. Aber immer nur Vogelhäuschen bauen, oder Kerzenständer drechseln ist auf Dauer auch kein befriedigender Zeitvertreib. Das der Bau von z.B. Möbeln oder Wohnaccessoires auch identitätsstiftend ist, weil sich der „Macher“ auch mit seinem Werk Identifiziert, wird niemand bestreiten wollen, und das solche Werkstücke auch einen gewissen Nutzwert haben ebensowenig.

Außerdem macht es viel mehr Spaß mit anderen gemeinsam zu werkeln.

Aktuelle Trends wie z.B. das „Upcycling“ (also „Neues“ aus „Müll“ zu basteln) sind ein recht phantasievoller und kreativer Umgang mit dem Thema Nachhaltigkeit, und stehen keineswegs im Widerspruch zu moderner Technik oder traditionellem Handwerk. Beide könnten hier voneinander profitieren, wenn sie den dafür passenden Raum zur Verfügung hätten. 

Warum sollten sich „Senioren“ nicht auch mit 3D-Druckern und anderem modernden Schnick-Schnack beschäftigen? Das die junge Generation eine völlig andere Affinität zu moderner Technik hat ist eine Sache, aber die ältere Generation verfügt aber über eine handwerkliche Routine. Das würde ich eine win-win Situation nennen.

Also liebe Politiker und Mitmenschen:
Getreu dem Butzbacher Motto „aus Tradition in Bewegung„, und ich denke auch ganz im Sinne von Friedrich Ludwig Weidig und Georg Büchner, sollte man anfangen die gedanklichen Schranken nieder zu reißen. Das hört sich sich jetzt ein klein wenig revolutionär an – aber wer damit ein Problem hat kann es auch „open-minded“ nennen.

 

 

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