Wie werden wir in Zukunft wohnen?

Veröffentlicht am

Glaubt man der Statistik so fehlen pro Jahr 342.000 Wohnungen. Bei knapper werdendem Bauland, explodierender Preise für Neu- und Gebrauchtimmobilien und Bau-und Grundstückskosten, wird der Traum von der eigenen Wohnung oder einem Eigenheim zu einer Herausforderung oder gar zur Utopie.

Achtung jetzt wird’s sarkastisch …

Lange Rede kurzer Sinn. Die Zukunft gehört multinationalen Immobilienkonzernen, und Grossinvestoren.

Hier geht es in erster Linie um die betriebswirtschaftliche Verwertung eines menschlichen Grundbedürfnisses und der konkreten Renditeerwartungen von Investoren. Denn das sichert und schafft Arbeitsplätze, so das gebetsmühlenartig von Politikern gepredigte Statement, dessen Gültigkeit angezweifelt werden darf und muss.

„Sozial ist was Arbeit schafft“ ist kein allgemeingültiger Satz und war es auch noch nie.

Damit Wohnraum angesichts eines sinkenden Durchschnittseinkommens aber nicht zu einem Luxusgut wird, müssen die aktuell als angemessen angesehenen Wohnraummengen in Frage gestellt werden. Man muss zwingend mehr Menschen auf kleinerer Fläche unterbringen. Ein Blick in die Geschichte der Städteplanung zeigt aber, das es hierbei nicht kalkulierbare „soziale“ Effekte gibt. Die wollen wir aber einmal vernachlässigen. Der Mensch und seine Natur spielt erst einmal keine Rolle.

Wie viel Wohnraum braucht der Mensch?

Aktuell werden 45 m² für eine Einzelperson + 15 m² für jede weitere Person als angemessen angesehen. In weiser Voraussicht haben die Bundesländer mit dem Wohnungsaufsichtsgesetz ganz andere Grenzen gesetzt.

Das Hessische Wohnungsaufsichtsgesetz (HwoAufG) vom 4. September 1974 schreibt im §7 (1) zur Belegung folgendes:

(1) Wohnungen dürfen nur überlassen und benutzt werden, wenn für jede Person eine Wohnfläche von mindestens 9 qm vorhanden ist.

Bürgerservice Hessenrecht

Das bedeutet für eine 4-köpfige Familie reichen schon 36 m². Jetzt wird ein Schuh daraus. 🙂

Immowelt gibt hier als Medianwert 11,10 €/m² Kaltmiete an.

Das macht eine Kaltmiete von knapp 400€ pro Monat.

Ein moderner, effizienter Wohnraum muss heute smart, klimaneutral, seniorengerecht, für jedermann erschwinglich und zugleich auch renditefähig sein.

Dies erfordert zwingend den Neubau aller Städte. Fort mit den alten ineffizienten Gebäuden – Denkmalschutz gehört ins Museum aber nicht in eine moderne Stadt. Hier werde ich etlichen Menschen aus der Seele sprechen, denn Denkmalschutz verhindert eine ernergetische Sanierung von Bestandsgebäuden und so manch einer wird erfreut sein, wenn endlich mal die Kopfsteinpflaster verschwinden und eine rollatortaugliche Fläche zur Verfügung steht.

Warum also nicht wenige, dafür aber hohe Gebäude bauen in denen 50 oder 100 Wohneinheiten Platz finden? So liessen sich z.B. auf eine Stadt wie Butzbach heruntergebrochen die vielen kleinen Stadtteile in wenige effiziente und moderne Wohnkomplexe umsiedeln. Probleme mit der Versorgungsinfrastruktur und dem öffentlichen Personennahverkehr wären so ebenfalls mit einem Schlag erledigt.

Eine Zukunftsutopie? Nein zwingende Realität.

Als ob nicht schon solche Ideen längst gedacht … und ausprobiert worden wären. Leider neigt man dazu schlechte Erfahrungen zu verdrängen und den gleichen Fehler immer wieder zu begehen. Lustigerweise wird eines der Leuchtturmprojekte der 70’er Jahre … die Metastadt in Wulfen Barkenberg (NRW) auch heute als richtiges Konzept zur falschen Zeit am falschen Ort bezeichnet. Dieses Projekt ist mittlerweile komplett zurück gebaut.

Es könnte unter einer Bedingung funktionieren … wenn man die unkalkulierbare Variable Mensch kalkulierbar macht.

  1. Man wählt die Bewohner auf Basis einer psychologischen Begutachtung aus.
  2. Man etabliert ein „Sozial-“ Monitoring um zeitnah möglichen sozialen Entgleisungen entgegen wirken zu können.

Smarte Technik und Digitalisierung helfen hier enorm weiter. Wir wollen jetzt nicht von Überwachung reden … sondern von notwendigen Schritten um eine funktionale Einheit der Bewohner sicher zu stellen.

Zum Beitragsbild:

Wilfried Körtzinger der 1967 seinen Beruf als Architeckt aufgab, weil er eine Vorstellung einer nachhaltigen und menschenwürdigen Architektur hatte, die sich nicht mit der seiner Auftaggebern vereinbaren ließ.

1979 mit einer Ausstellung von Grafiken zum Thema „verplante Landschaft“ in meiner Heimatstadt.

Mal einfach drüber nachdenken.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.